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Richard Rogler

"Tour 2016 - Freiheit aushalten!"

Mit keinem Wort wird im Moment so viel Schindluder getrieben wie mit dem Begriff „Freiheit“. Besoffene Ballermann-Reisende fordern mehr Beinfreiheit, gierige Banker mehr Unternehmerfreiheit, religiöse Fanatiker Glaubensfreiheit, verantwortungslose Raser Tempofreiheit, jeder Depp beruft sich für sein Geschwätz auf die Meinungsfreiheit. Das Freiheitstürchen ist weit geöffnet. Alles ist unter dem Deckmantel „Freiheit“ möglich. So kann der „Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima“ heute jederzeit eine Rede bestellen über die Sehnsucht nach der modernen, westlichen Toilettenwasserspülung als Hauptmotiv für die Freiheitsbewegung der DDR-Bürger. Auf Anfrage erfüllt unser Staatsoberhaupt gerne deren Wunsch. Er wird sogar noch weiter gehen. Er wird Sie in pastoraler Manier davon überzeugen, dass es in Mali nur eine freiheitliche Demokratie geben wird, wenn die Bundeswehr dort mit Waffengewalt die Wasserspülung durchgesetzt hat, und somit nach der Pleite „Am Hindukusch“ nun in Mali unsere freiheitliche Sicherheit verteidigt wird. Alles eine Frage verquaster Freiheits-Rhetorik.
Sagt einer zu mir: „Herr Rogler, finden Sie das richtig, dass der Kongolese jetzt schon die deutsche Post austrägt?“ Ich sage: „Machen Sie es doch!“ - „Ich bin doch nicht verrückt. Die armen Neger werden doch nur ausgebeutet.“ - „Sehen Sie, soviel ist denen die Freiheit wert“. Was kann man tun? Sollen wir den Missbrauch der Freiheit in Form der Dummheit unter Strafe stellen? Aber wer finanziert dann die Millionen an zusätzlichen Gefängniszellen? Und außerdem: Gesetze einhalten kann jeder, aber die Freiheit aushalten... Das ist ein täglicher Kampf. Deshalb heißt mein Programm für den Rest des Jahrhunderts:
„Freiheit aushalten!“ Stets akut und frisch auf der Bühne serviert.
Und ganz wichtig: Niemals den Humor dabei verlieren!